FDP-Kreistagsfraktion hinterfragt die Doppelstrukturen bei den Volkshochschulen im Kreis und in Siegen
Die FDP-Fraktion im Kreistag Siegen-Wittgenstein setzt sich erneut kritisch mit den bestehenden Strukturen der Volkshochschulen im Kreis und in der Stadt Siegen auseinander. In einer aktuellen Anfrage an den Landrat fordert die Fraktion per politischer Anfrage umfassende Informationen zur möglichen Zusammenlegung der Angebote. „Wir halten das geboten, weil der Kreistag sich in den vergangenen 13 Jahren massiv verändert hat. Die meisten Kreistagsmitglieder waren damals noch gar nicht dabei und ihnen fehlt schlicht das Wissen“, erklärt Fraktionschef Guido Müller, der gleichzeitig dienstältester Abgeordneter im Kreistag ist. Das Scheitern einer Fusion vor mehr als zehn Jahren hat er noch gut in Erinnerung. Die damaligen Bemühungen seien jedoch aus Sicht der Liberalen vor allem an „lokalen, kommunenbegrenzten Sichtweisen“ gescheitert. Letztlich ist das Projekt fallen gelassen worden, weil es keinen befriedigenden Plan für die Organisation der VHS-Angebote in der Fläche gab. Vor allem Wittgensteiner Kommunen fühlten sich damals nicht richtig eingebunden. Und Siegen tat sich grundsätzlich schwer mit dem Fusionsgedanken. Aus Sicht der Liberalen sind damals vor allem handwerkliche Fehler in der Kommunikation gemacht worden. Das soll sich nun ändern.

Die politische Anfrage soll den Auftakt zu politischen Beratungen geben. Im Fokus steht dabei insbesondere die Frage, ob die parallelen Strukturen zweier Volkshochschulen noch zeitgemäß und wirtschaftlich sinnvoll sind. Bereits in seiner Haushaltsrede 2026 hatte Müller betont, Doppelstrukturen abbauen zu wollen. Eine Fusion der beiden Volkshochschulen ist auf Grund der klammen Kassenlage bei Kreis und Stadt zwingend notwendig. Man hält den Zeitpunkt für Entscheidungen für gekommen. Deshalb richten die Liberalen einen umfangreichen Fragenkatalog an die Kreisverwaltung. Unter anderem soll geklärt werden:
- wann zuletzt über eine Zusammenlegung der Volkshochschulen beraten wurde,
- aus welchen Gründen frühere Fusionsversuche scheiterten,
- welche Vor- und Nachteile eine gemeinsame Organisationsform – etwa als
gemeinnützige GmbH – bieten könnte, - und welche Auswirkungen eine Fusion auf das Kursangebot insbesondere im
ländlichen Raum hätte.
Darüber hinaus stellt die FDP-Fraktion grundlegende Fragen zur Finanzierung und zum Auftrag der Volkshochschulen. So interessiert sie sich unter anderem dafür, ob es sich um ein Zuschussgeschäft handelt, wie hoch ein mögliches Defizit ausfällt und wie viele Bürgerinnen und Bürger tatsächlich von den Angeboten profitieren. Auch die inhaltliche Ausrichtung der Volkshochschulen wird hinterfragt. Die Fraktion möchte wissen, welche Angebote als Pflichtaufgaben gelten und ob beispielsweise Freizeitkurse wie Yoga, Bastelangebote oder Trommelworkshops dazu zählen. Solche Freizeitaktivitäten bieten in Siegen-Wittgenstein auch Vereine oder Gruppen an, man braucht diese Angebote nicht zusätzlich über die Volkshochschulen zu organisieren.

„Unser Ziel ist eine effiziente und zukunftsfähige Bildungslandschaft im Kreis. Eine ergebnisoffene Prüfung der bestehenden Strukturen ist dafür unerlässlich“, erklärt FDP-Geschäftsführerin Simone Neuser, die auch den Bereich Bildung innerhalb der Fraktion vertritt. Mit ihrer Anfrage will die Fraktion eine neue Diskussion im Kreistag anstoßen und mögliche Reformansätze auf eine fundierte Entscheidungsbasis stellen. Dass mittlerweile auch die CDU-Fraktion im Stadtrat auf die Fragen der FDP aufmerksam geworden ist, begrüßt man seitens der Liberalen ausdrücklich. Für Siegen würde eine Fusion auf jeden Fall eine Menge Geld sparen. Wichtig ist den Liberalen aber, dass die Qualität und die Erreichbarkeit der Angebote in der Fläche, besonders auch in Wittgenstein, nicht darunter leiden.